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Probefahrt smart: Der Volks-Wagen mit Mercedes-Genen
Als wir vor einigen Wochen eine zweitägige Probefahrt mit dem aktuellen smart fortwo coupé absolvieren konnten, waren wir positiv erstaunt und negativ überrascht. Aber der Reihe nach: Unser Testwagen war der Diesel, der mit 45 PS aus 3 Zylindern (800 ccm), die Ausstattungslinie Pulse. Der smart fortwo wird seit 1997 gebaut, damals hieß er noch smart city coupé. Ab 2004 smart fortwo coupé, seit 2007 fortwo II – wir bleiben aber bei der Bezeichnung coupé (in Abgrenzung zum Cabrio).
Nach dem bekannten holprigen Start des Verkaufs, der schließlich im Flop “smart forfour” endete, hat sich die Marke mittlerweile berappelt und feiert interessanterweise gerade in den USA Absatzrekorde. Die Umweltdiskussion und die weltweite Wirtschaftskrise haben daran sicherlich einigen Anteil. Oder vielleicht doch auch der smart fortwo selber? Wir werden sehen.
Design außen:
Der smart fortwo polarisiert nach wie vor – entweder, Sie lieben oder hassen ihn. Dazwischen gibt’s fast nichts. Das zweifarbige Design ist immer noch gewöhnungsbedürftig, die verhalten weiterentwickelte Formsprache des ersten Modells auch. Was positiv heraussticht: die Felgen (wenn man denn auf solche Details wert legt) scheinen durchweg neu gestylt zu sein, sehr gelungen.
Design innen:
Als erstes gehts bei jeder Probefahrt von außen an den Kofferraum, irgendwo muss der Koffer des Testfahrers ja hin. Ohne die freundliche Hilfe eines Servicemanns wäre der untere Teil der horizontal geteilten Heckklappe (Range Rover! X5!) heute noch geschlossen, derartig versteckt sind die Armaturen für das Öffnen. Hat man es erst einmal verstanden, offenbart der Kofferraum eine erstaunliche Größe, wie auch der restliche Innenraum. Die Armaturen des Smart sind leider nicht so erstaunlich, sondern wirken wie auch schon beim Vorgängermodell entsetzlich billig. Die Armaturen sind klar strukturiert, gut ablesbar und man findet sich einigermaßen leicht zurecht. Ablagen gibt es in Hülle und Fülle – nur einen Becherhalter sucht man vergeblich in den Ausstattungslisten. Er ist generell Sonderausstattung.
Fahreigenschaften Stadt:
Hier spielt der smart seine Stärken optimal aus: Kurzer Randstand, kleiner Wendekreis, ausreichend motorisiert. Man kann gut im Verkehr mitschwimmen, findet überall einen Parkplatz, hat eine angenehm hohe Sitzposition und die Einkäufe (wenn Sie jetzt nicht für Ihr Grillfest bei der Metro einkaufen) lassen sich gut verstauen. Sehr geringer Verbrauch (bei unserem Testwagen ca. 4,0l/100km in der Stadt), dieser Wert wird aber nur durch den Einsatz der Eco-Funktion erreicht. Die Eco-Funktion schaltet den Motor aus, sobald der Wagen länger als 1 Sekunde stoppt. Manchmal schaltet er den Motor auch aus, wenn man langsam auf eine rote Ampel zurollt. Das Neu-Anlassen dauert dann ca. 1 Sekunde. Eigentlich kein großes Thema, nur kann es gerade beim Linksabbiegen zu gefährlichen Momenten kommen, wenn Sie beherzt von dem Gegenverkehr noch abbiegen wollen, der Motor aber zwischenzeitlich ausgegangen ist. Glücklicherweise können Sie die Eco-Funktion aber auch einfach ausschalten.
Das größte Ärgernis bei den Fahreigenschaften ist und bleibt aber das Automatik-Getriebe. Dieses scheint (wie schon das Getriebe des Vorgänger-Modells) direkt aus einem 70er Jahre LKW aus sowjet-russischer Produktion entnommen worden zu sein. Der Gangwechsel dauert wirklich lange, und wenn Sie noch nicht so geübt mit der Optimierung des Gaspedals bei Gangwechseln sind, dann kuppelt der neue Gang brachial ein. Und zwar mit einem derartigen Drehmoment, dass man sich wundert, ob neben dem UdSSR-Getriebe auch noch der LKW-Motor eingebaut wurde.
Fahreigenschaften Landstraße, Autobahn:
Hier geht der Verbrauch deutlich runter, auf ca. 3l/100km. Was vor allem daran liegt, dass Sie auf der Autobahn bestimmt nicht schneller als 110 km/h fahren möchten. Die eingetragene Höchstgeschwindigkeit ist zwar 135 bzw. 145 km/h, aber ab Tempo 110 wird der smart windanfällig wie ein Surfbrett und scheint auch eine Surfbrett-Steuerung zu haben. Durch den kurzen Randstand kann man von Geradeauslauf nicht wirklich sprechen, man muss permanent korrigieren. Also wieder zurück auf 110, und siehe da: bis hierhin geht es. Nur dumm, dass Sie der einzige auf der Autobahn sind, der 110 fährt: zu schnell für die rechte Spur und viel zu langsam für die mittlere oder rechte Spur. Da hilft nur ständig wechseln oder stur sein. Oder Landstraße fahren: hier düsen Sie entspannt im Rahmen der zulässigen Höchstgeschwindkeit, hier und da ist sogar ein Überholmanöver möglich.
Preis, Kosten:
Preislich beginnt das smart fortwo coupé bei 9.900 EUR. Für die Cabrio-Fans: ab 13.640 EUR gibt es die offene Variante. Der Verbrauch ist beim Diesel bei 3,5l/100km, vor allem gefällt der geringe Stadtverbrauch.
Fazit smart fortwo coupé:
Wenn Sie viel in der Stadt unterwegs sind und ab und zu mal gemütlich zum Flughafen oder zum Spargelholen aus der Stadt wollen, dann ist dies Ihr neuer Traumwagen. Nicht ganz billig in der Anschaffung, aber sehr günstig im Verbrauch. Für Familien ist der smart nur als Zweitwagen geeignet, längere Autobahnstrecken sollte man vermeiden.
Trotzdem ist der smart fortwo einer unserer Lieblinge. Weil er etwas hat, was nur wenigen gelingt – dieses Auto ist absolut klassenlos! Sie können im Jogging-Schlabberoutfit, im Sommerkleidchen oder im Dreiteiler darin sitzen, und der smart ist immer das passende Auto für Sie. Student, Chefarzt, Model oder Hausfrau: jeder kann ihn fahren, ohne auf Stil verzichten zu müssen. Egal, ob man das Design jetzt mag oder nicht, ob man sich am billigen Plastik im Innenraum stört oder das Getriebe und die Lenkung verwünscht. Dieser smart fortwo ist nicht nur irgendein koreanisch, rumänisches oder indisches Fortbewegungsmittel, sondern ein Markenartikel. Ein Auto mit einer Aussage: Understatement. Und mit der geteilten Heckklappe haben Sie ein Stück Range Rover an Bord, schließlich kostet ihr smart fortwo so viel wie zwei Dacia.
Tags: Diesel, Getriebe, Motor, Probefahrt, Range Rover, smart fortwo coupé, Stil, Testfahrt, Testwagen